Lehrforschungsprojekt

Emanzipatorische Familienbildung im ‚Digitalen Raum‘ – Ein Lehrforschungsprojekt zur Frage nach ‚Digitalität‘ im Kontext von Familienbildung
Dozentinnen/Dozenten

Dipl.-Soz.Päd. Michaela Zufacher, M.A., Prof. Dr. Ute Müller-Giebeler

Lehrinhalte

Die auf zwei Semester angelegte Veranstaltung widmet sich der forschenden Erkundung der Dimensionen des Themas Digitalisierung bzw. Digitalität im Arbeitsfeld Familienbildung, insbesondere unter dem Einfluss der Covid-Pandemie. Letztere hat dem vorher schon im Arbeitsfeld als drängende Herausforderung auf der Agenda stehenden Thema Digitalisierung in der Familienbildung bezogen auf mehrere Aspekte einen ungeheuren Schub verschafft; dies bezieht sich auf die Digitalisierung u.a.…

  • der eigenen Verwaltungs- und Organisationsprozesse,
  • der Öffentlichkeitsarbeit und Werbung,
  • mediendidaktischen Anpassung der eigenen pädagogischen Angebote sowie nicht zuletzt auf den Aspekt
  • der Medienpädagogik als Inhalt von Elternbildung bzw. Digitalität des familialen Alltags.

Einrichtungen haben in kürzester Zeit pädagogische Onlineangebote entwickelt und den Adressat*innen zur Verfügung gestellt, zugleich große Teile ihrer internen und externen Kommunikation und Organisation online aus dem Homeoffice heraus abgewickelt. Trägerverbände und Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften haben Fortbildungen sowie technische und didaktische Tools zur Umsetzung entwickelt und Mitarbeiter*innen zu Verfügung gestellt. Parallel wurde (nicht nur coronabedingt) das Thema Digitalisierung/Digitalität in empirischen Untersuchungen zur Familienbildung bearbeitet, etwa in den in 2021 veröffentlichten Evaluationen der Familienbildung durch das MKFFI in NRW und durch das BMFSFJ in Berlin.

Covid war eine gewaltige Irritation, die zu einer Art ‚Lifeexperiment‘ bezogen auf digitale Formate, einem forcierten (Selbst)Bildungs- und Entwicklungsprozess der Akteur*innen und Strukturen bezogen auf ‚Digitalisierung der Familienbildung‘ geführt hat. Adressat*innen und Mitarbeiter*innen haben in dieser Zeit eine Fülle von Erfahrungen gemacht und informelle und nonformal gerahmte Reflektionsprozesse dazu durchgeführt.

Im Forschungsfeld geht es darum, gemeinsam mit den Studierenden und der familienbildnerischen Praxis geeignete Forschungsfragen, Erhebungs- und Auswertungsmethoden zu bestimmen, um Daten zu dieser Fülle von wertvollen Erfahrungen und Erkenntnissen aus der Praxis und den Verbänden zu sammeln und auszuwerten. In den zwei Semestern des FF werden, nachdem mit den Studierenden die theoretischen und methodologischen Grundlagen erarbeitet worden sind, diese Daten im Feld – in Kooperation mit der Fachpraxis – erhoben und ausgewertet und zum Abschluss auf geeignete Weise, etwa in Form einer gemeinsam vorbereiteten und durchgeführten Fachtagung an der TH Köln, präsentiert.

Eine theoretisch-konzeptionelle Perspektive, aus der heraus gefragt werden soll und auf die die Ergebnisse bezogen werden sollen, ist das Leitbild einer ‚emanzipatorischen Familienbildung‘, das in aktuellen Diskursen, in z.T. noch unveröffentlichten Texten, neue Aufmerksam-keit erhält und sich im Prozess der Ausarbeitung befindet.

Aus dieser Perspektive wird auf die genannten Digitalisierungs- prozesse geblickt bzw. auch die professionellen Spannungsfelder von ‚Digitalität‘ werden daraufhin kritisch-reflexiv analysiert. Grundzüge und Elemente dieses Leitbildes werden im Kurs erarbeitet und weiter- entwickelt.

Bezogen auf den Studiengang KiFab und dessen Weiterentwicklung im Rahmen des Projektes Curriculum 4.0 (KifabC4.0) geht es darum, aus den Ergebnissen der Forschung mögliche Schlussfolgerungen für Modulinhalte und Kompetenzanforderungen an Absolvent*innen zu ziehen sowie den Studiengang – als Institution der Expertise – für einen kritisch-konstruktiven Dialog mit der Praxis zum Thema Digitalisierung bzw. Digitalität im professionellen Raum und im/für den lebensweltlichen Alltag von Familien zu entwickeln.

Das Seminar im Handlungs- und Forschungsfeld ist über zwei Semester angelegt (WiSe/SoSe).

Page versus screen: A phenomenology of contemporary reading

Vortrag von Prof. Dr. Norm Friesen (Boise State University in Idaho, USA)

Wann? 27. September 2021 17.00 bis 19.00 Uhr

Wo? Fakultät 01, Bildungswerkstatt (Präsenzveranstaltung)

Der Vortrag ist unterteilt in folgende Abschnitte:
00:00 Vorstellung und Einführung “Das Lesen”
Vom Rezitieren der Bibel hin zum Lesen
 
07:41 Überblick bzw. Gliederung des Vortrags
 
08:38 Texte in der Literatur

Ein im-Text-Sein, der Text im Buch verändert Lesende. Sie lassen beim Lesen einen Teil von sich zurück und nehmen dabei etwas für sich mit. Durch die Beschreibung von Situationen/Settings in eben nicht allzu hoher Detailliertheit machen sich die Lesenden den Text zu eigen und ‘füllen die Lücken’ mit ihrer Vorstellungskraft.

18:22 Die Verbindung von Inhalt und Materialität bei Texten
Verbindung von Inhalt und Materialität bei Büchern klar vorgegeben. Die Seiten des Buches sind mit dem Text bedruckt. Anders verhält es sich mit Texten auf einem Bildschirm. Dieser kann nicht nur diesen einen Text sondern auch unendlich viele andere Texte, Bilder, Filme, … anzeigen. Der Inhalt ist von der Materialität gelöst.
 
23:45 Fokus und Ablenkung von Bildschirmen
Ohne die Materialität eines Buches kommt es beim Lesen auf einem Bildschirm häufiger zu Ablenkungen. Um diesen entgegen zu wirken, werden unterschiedlichste Strategien gefunden.
 
42:40 Ein anderes Lesen

Lesen wurde losgelöst von religiösen Schriften und moralischen Bedingungen. Lesende/Personen wurden nun mehr als Konsument*innen angesprochen (bspw. Werbung)

53:09 Zusammenfassung

Determinacy, interruptions und Directing attention

 
HINWEIS

Für die interne TH-Köln Nutzung können die Kolloquium 4.0 Vorträge über diesen Link auf der Ilias Plattform aufgerufen werden.

Abstract zum Vortrag 

Reading keeps changing: From a process largely bound to a static context, whether in a book or on a sign or a train schedule, reading has increasingly become a set of practices keeping up with (and also producing) information in networks and on screens. Starting as a kind of art, bound to a religious or aesthetic canon, reading has since been reconceptualized as a set of functional competencies, skills to be mobilized, transferred and deployed in order to navigate ever more complex informational environments. Correspondingly, the question of attention has become increasingly important, particularly in opposition to concerns over inattention and distraction—especially “digital distraction.” While the historical evidence suggests we are today indeed more distracted in our reading than before, attention and its opposite can only be viewed dialectically, as phenomena occurring between subject and (intentional) object, between figure and ground, activity and passivity, etc. In this presentation, Prof. Norm Friesen (Boise State University) works to locate the screen, the page and the commitments of pedagogy itself within this dialectic.

Praxisphase im KiFab

Für die beiden Praxisphasen im KiFab entwickeln die E-Coaches zurzeit gemeinsam mit den Modulverantwortlichen ein Konzept zur digitalen Praxisbegleitung. 

Die Ausgangslage zu dieser (Neu-)Konzeptionierung ergab sich aus der neuen Verortung der Praxisphase im Studienverlaufsplan in Verbindung mit der Ermöglichung eines Auslandsaufenthaltes sowie der damit ein-hergehenden adäquaten Begleitung der Studierenden.  

In einem ersten Arbeitsschritt wurde dazu überlegt, wie die bisherige supervisorische Praxisbegleitung umgestaltet werden kann. Diese strukturiert sich momentan in die „regulären“ Supervisionsgruppen und einer separaten „zusätzlichen“ Supervisionsgruppe für die Praxis-studierenden im Ausland. Für diese Umgestaltung wurden nicht nur die Auslandsstudierenden betrachtet, sondern auch diejenigen Studier-enden mit einbezogen, die ihre Praxisphase zwar in Deutschland, aber nicht direkt im Umland vom Standort Köln absolvieren (die sogenan-nten „Outside“-Praxisstudierenden). Im Vergleich zum Vorgänger Studiengang PädKiFa wird die Praxisphase von den Studierenden im KiFab nun jeweils im dritten und vierten Semester als Praxissemester absolviert und parallel dazu die Module M8 und M9 bzw. M12 besucht. Durch diese Rahmenbedingungen der Praxisphasen entstand die Idee eines digitalen Veranstaltungszuges für die entsprechenden Module. Auf diese Weise soll den Studierenden sowohl eine adäquate Praxis-begleitung als auch eine Studierbarkeit der Module während eines Auslands- bzw. „Outside“-Aufenthaltes ermöglicht werden. Außerdem kann dieser digitale Veranstaltungszug auch von Studierenden belegt werden, die aus persönlichen Gründen (zum Beispiel Betreuung und Pflege von Angehörigen) ein digitales Semester und damit ein flexibler-es Studierenden bevorzugen. 

Als Nächstes wurden daraufhin exemplarische Gruppenkonstellationen sowie ein möglicher digitaler Semesterverlauf für die erste Praxisphase konzipiert (siehe unten). Zunächst wurden diese ersten Arbeitsergebnisse der Modulverantwortlichen des Praxisstudiums Kindheitspädagogik  sowie der Studiengangsleitung und anschließend auch allen weiteren Verant-wortlichen der entsprechenden Module vorgestellt. 

Auf Grundlage dessen kann bisher festgehalten werden, dass ein digi-taler Veranstaltungszug nicht im Sinne eines Fernstudiums verstanden werden soll. Aus diesem Grund stehen für den weiteren Verlauf der Erarbeitung des neuen Konzeptes hybride Lehr-Lernformate im Fokus. Die Aufgabe der E-Coaches wird es dabei sein, die Modulverantwort-lichen bei der Gestaltung der Module in Bezug auf den Einsatz von digitalen Tools und didaktischen Methoden im virtuellen Raum zu unterstützen. 

Das Bild beschreibt eine exemplarische Gruppenkonstellation für die Praxisphase im KiFab. Links ist eine Variante A abgebildet. Diese besteht darin, die Kohortengröße von circa 90 für die Module 8, 9 und 10 durch drei zu teilen. Ein Drittel der Gruppen bezieht sich auf ein digitales Angebot. Variante B (rechts abgebildet) besteht darin, lediglich die Module 8 und 9 durch drei zu teilen. Die Studierenden in Modul 10 würden hier in 6 Gruppen geteilt. Hier würde der digitale Veranstaltungszug aus zwei Gruppen von jeweils 15 Studierenden und jeweils einem drittel aus den Modulen 8 und 9 bestehen.
Abbildung eines Exemplarischen digitalen Semesterverlaufs

Datenbank Lehren- und Lernen mit neuen Medien

In dem Teilprojekt zur Entwicklung von Datenbanken für das digitale Lehren und Lernen geht es darum, die Vielzahl an Informationen zu digitalen Tools und Anleitungen an einem Ort auf Ilias zu sammeln.  Zuvor waren die Informationen an vielen verschiedenen Stellen wie zum Beispiel im dazu extra angelegten Unterordner auf Ilias oder auf den Seiten des Zentrums für Lehrentwicklung platziert.  In Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter im Forschungsschwerpunkt „Medienwelten“ haben die E-Coaches Überleg-ungen angestellt, wie die Übersicht über verfügbare digitale Tools für die Lehre und das Lernen verbessert werden kann.  Dazu wird aktuell eine Sammlung in Form einer Datenbank von allen Beteiligten auf Ilias  erstellt.  In die Datenbank werden relevante Informationen zu den Tools eingepflegt. Über eine Verschlagwortung besteht die Möglichkeit, nach dem passenden Tool für ein bestimmtes Ziel zu suchen. Dazu kann unter anderem über Schlagwörter wie Datenschutz, Für was geeignet?, Gruppengröße, Funktion oder auch Hochschullizenz gezielt gefiltert werden. Die Datenbank hat zum Ziel, dass sowohl Studierende als auch Lehrende nach dem passenden Programm/Tool suchen können, wel-ches sie für die digitale Lehre und digitales Lernen nutzen können. Wenn zum Beispiel nach einem Programm für gemeinsames kollabor-atives und asynchrones Arbeiten gesucht wird, kann durch die Ver-schlagwortung nach einem geeigneten Tool gesucht werden. 

Aus den Ideen zur Datensammlung für die digitale Lehre und dem Teil-projekt „Interaktive Elemente für Modul 3.5“, entstand eine Methoden-sammlung, die ebenfalls in einer Datenbank zusammentragen wird. Hier werden bewährte Methoden aus der Präsenzlehre für die digitale Lehre umgeschrieben. Diese Methoden können sowohl von Lehrenden als auch von Lernenden abgerufen werden, um sie im Online-Studium einzusetzen.  Das Ziel der Datenbank ist, dass das Lernen durch den gezielten Einsatz von Methoden zur Lehr-Lerngestaltung interaktiver und spannender gestaltet werden kann.  Für die Datenbank wurde durch die E-Coaches eine Verschlagwortung entwickelt. Gefiltert werden kann unter anderem nach Sozialform und Gruppengröße, Werk-zeug, Ziele und Zielgruppe. Im Anschluss wurde das Seitenlayout mit dem Ilias Seiteneditor bearbeitet.  

Abbildung einer Datenbank
Abbildung einer Methodendatenbank

Medienkunst

Im Handlungsfeld Kulturen, Lebenswelten richtet sich der Blick auf Kinder und Familien in ihren informellen und alltäglichen Kontexten und ihre subjektiven Aneignungsweisen durch symbolische Praktiken und Medien. Mit Medien sind hier in einem abstrakten Sinne sämtliche Dimensionen gemeint, in denen Bildungsprozesse stattfinden können. Diese werden im Studiengang „Bildungszugänge“ genannt und in einem Modul verortet, wozu auch der Bildungszugang Medien zählt, bei dem digitale Medien in ihrer Eigenart als Selbst- und Weltzugänge und mit ihrem Potential für entsprechende Bildungsprozesse im Mittelpunkt stehen. In diesem Handlungsfeld muss die Bedeutung digitaler Medien für Kinder und Familien auch auf der Basis eigener Medienkunde und reflektierter Mediennutzung analysiert werden, um daraus kritisch-differenzierende und vor allem kreativ- gestaltende pädagogische und didaktische Handlungsoptionen begründet ableiten zu können.

Interaktive Elemente für Modul M 3.5

Für das Modul 3.5 Sozial- und Bildungspolitik in der Kommune und im Sozialraum wurde die Ilias Seite mit dem Seitenlayout für die Vorlesung erstellt. Auf der einen Seite die Vorlesungen auf der anderen Seite die kollaborativen Vertiefungen. Für den Dozierenden hat ein E-Coach inter-aktive/kollaborative Methoden für die jeweiligen Vorlesungsinhalte erarbeitet und auf Ilias eingestellt damit asynchron gearbeitet werden kann. Dies wurde anhand verschiedener aktivierendender Methoden z.B.: ABC im Etherpad durchgeführt. Des Weiteren hält der E-Coach den Kontakt zum Dozierenden.  

Aufgrund dieses Projektes wurde unter anderem die Datenbank für die Methodensammlung erstellt. 

Ilias Struktur der Online Vorlesung

Website

Zur Dokumentation der im Rahmen des  KiFab-Curriculum 4.0 Projek-tes stattfindenden Teilprojekte sowie darin entstandenen Materialien, wurde diese Website erstellt. In den Menüpunkten versuchen wir über alle Aktivitäten dieses Projektes zu berichten. Angefangen mit einer „On the fly“ Einweisung in WordPress, haben wir die Aufgabe bekom-men, uns die verschiedenen Themes (Seitenlayouts) anzuschauen, um eine geeignete Auswahl für das Projekt zu treffen. Der nächste Schritt bestand darin, verschiedene Seiten und Beitrage anzulegen, um  her-auszufinden welches Theme für unsere Zwecke geeignet ist. Nachdem wir die ersten Seiten und Beiträge erstellt haben, fügten wir ein Menü hinzu und so nahm die Website langsam Gestalt an. Beim Prüfen des Themes mit Hilfe eines Screenreaders, stellten wir einige Defizite im Hinblick auf eine möglichst barrierearme Gestaltung fest. Wir testeten weitere Themes, bis wir schließlich ein geeignetes fanden. Um Anpas-sungen an der Website vorzunehmen, machten wir uns mit dem „Cust-omizer“ vertraut. Hier stellten wir ein Banner-Bild ein, entschieden uns für eine Farbgebung und dafür, welche „Widgets“ (Suche, Neues, Sch-lagwörter etc.) neben den Beiträgen zu sehen sein sollten. Um die Ge-staltung der Beiträge genau zu prüfen, lernten wir mit dem Programm „Elementor“ umzugehen. Elementor ermöglicht das Arbeiten an den Beiträgen, während man die Beiträge genauso sieht, wie sie auf der Website erscheinen. Dies ermöglichte uns, die manuelle Satzspiegel-ung vorzunehmen und verschiedene Medien einzufügen. 

NO ZOOM, NO FEEDBACK

Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Instrumente hängen von der Decke und sind blau beläuchtet
Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Eine Leiter steht in einem großen Raum mit blauer Beläuchtung
Eine weitere Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘ (Programm Curriculum 4.0) in der Bildungswerkstatt der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften (Bild: Kathrin Meiners)

Laptops zeichnen auf, Instrumente werden verhängt, Räume im Raum erschaffen und verändert; Töne, Geräusche, Zufälliges entsteht, eine Grauzone zwischen live-generierten Bildern/Klängen und Vorproduziertem wird erschaffen, der Raum zwischen echt und unecht gekrümmt und verkürzt – in den pandemisch erzeugten rein digitalen Lehr-/Lernsettings und Sitzungswelten – vermisste Rückmeldungen.

Wahrgenommenes wird rück-„gemeldet“: Feedback.

In einer weiteren Zoomsitzung NO STICK, NO LANDSCAPE wird Rochus Aust im Hof der Bildungswerkstatt wirken. Informationen folgen. Feedback erwünscht.

Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Instrumente hängen von der Decke
Vorbereitung auf die zweite Zoomsitzung von Rochus Aust in der Bildungswerkstatt (Bild: Yasemin Aslanhan)
Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Instrumente hängen von der Decke und sind blau beläuchtet
(Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)
Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Instrumente hängen von der Decke und sind blau beläuchtet
(Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)
 

ROCHUS AUST
NO ZOOM, NO FEEDBACK
my first zoom 2 · mobile Installation

für
5 Laptops
3 Video-/Licht-Projektionen
7-Kanal audio

2 Violoncelli
2 microKORG Synthesizer
3 halbakustische Gitarren
3 mobile Verstärker
6 Violinen

1 Laubsauger
3 random motion balls
11 Hexbugs nano
42 Tischtennisbälle
79 mobile Sitzelemente

26.01.2021 · 17.00h
Zoom Session · 09’ 00“
Bildungswerkstadt · Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
TH Köln · Campus Südstadt · Ubierring 48 · 50678 Köln

Rochus Aust · Raumordnung/Musik/Instrumente/Medien
Yasemin Aslanhan · Zoom hosting

Stereo-Audio · Aufnahme/Schnitt · chez muziek köln
Video · Konzept/Aufnahme/Kamera/Schnitt · Rochus Aust/Jan Verbeek/Yasemin Aslanhan

im Rahmen von ‚Artist in Residence im Feld digitaler Kunst‘ an der TH Köln/Curriculum 4.0 NRW

NO STREAM, NO FEAR!

Eine Person mit einer Gasmaske hält eine weiß-rote Fahne
Die erste Zoomveranstaltung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘ (Programm Curriculum 4.0) in der Bildungswerkstatt der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften (Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)

Anlässlich des diesjährig virtuellen „Dies Academicus“ am 17.12.2020, wurde ein ganz besonderer Raum durch die Bildungswerkstatt zugänglich, die mit dem Projekt „Artist of Residence“ Künstler:Innen die Möglichkeit gibt, durch ihre gestaltenden, schöpferischen Ausdrucksformen einen Bildungszugang zu kreieren, der durch ein virtuelles Format bereichert.

Den Auftakt gab Rochus Aust, der erste „Artist of Residence“, Trompeter, Installationskünstler und Entdecker bisher unbekannter Welten. Seine Performance „NO STREAM, NO FEAR“ zeigte klar, was möglich ist: Zehn Laptops, die dem Zuschauer zehn Zoom-Fenster zeigten, nahmen auf, was in nur drei Räumen passierte. Mit seinen Kolleg:innen Verena Barié und Jan Verbeek erschuf Aust ein virtuelles Ideenland, das den Teilnehmern mit jedem Zoom-Fenster einen neuen Zugang eröffnete: Während sich der Zuschauer in einem der Fenster noch seiner Faszination hingibt, zeigen sich bereits in Fenstern zwei, drei und vier neue bewegte Welten. Mit scheinbar unsichtbarer Hand werden Räder gedreht, Nussknacker bewegt, Fahnen geschwenkt. Gleichzeitig werden Trompete, Klavier und Flöte gespielt und Filme vor- und zurückgespult. Während in einem Fenster Ping Pong-Bälle auf einem Bildschirm hüpfen, läuft durch ein anderes Fenster ein Mensch mit Gasmaske, dazu vier Menschen, die nebeneinander Fahrrad fahren und ein Regenschirm, der durch das Bild gleitet.

Auditiv und visuell bringt Aust durch das Öffnen immer neuer, belebter Fenster den Zuschauer ins Staunen. Nach dieser Performance nennt man Rochus Aust wohl auch zu Recht den „Mann mit den 1000 Armen“.

Rochus Aust hält mehrere Sachen in der Hand und wird von einem Mann gefilmt
(Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)
Eine Frau läuft in einem Raum rum in dem verschiedene Elemente installiert sind.
(Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)
Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Ein Bildschirm steht in einem Raum auf dem mehrere Zoom kacheln zu sehen sind
(Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)
Eine Zoomsitzung mit Rochus Aust, dem Artist der Residence ,Digitale Irritationen‘. Flöten hängen von der Decke
(Bild: Yasemin Aslanhan; Fabia Alm)
Ein ZoomBlogLuckShot von Rochus Aust

An Tag 2 von Shutdown 3.0 sind 8 Türchen im Kalender geschlossen. Auch das noch! Soviel Lockup war noch nie, sagt der Präsident: Wer jetzt keine Weihnachtsgeschenke hat, bekommt auch keine mehr. Der Medienperformer Rochus Aust ergreift die Chance, den einsamen Türchen die Schließung zu entreißen. Allerdings zu einem sehr sehr hohen persönlichen Preis: seiner allerersten Zoom-Session überhaupt. „Ich überwinde meinen Stolz, Microsoft und Zoom bisher niemals angerührt zu haben und opfere ihn der Ehre, Digitale Irritationen als artist-in-residence in der TH Köln anpflanzen zu dürfen. Der Rest ist Rückblick, denn Online war nichteinmal gestern.“ (Rochus Aust im Interview mit Franka Bandoni für Digital Dogs, 2020)

15 Minuten digital-pandemischer Verlauf mit ungewissem Ausgang?
Visueller overkill zur Vertreibung von Todesangst?
Medienpiraterie akademischer Bildungsräume?
Akustische Intensivstation für Mehrdenker?
Künstlerische Zwangsimpfung oder simple Verbortheit von digital-grandpa?

Ja, nein, viel einfacher: Mehr Weihnachten wird es nie mehr geben!

NO STREAM, NO FEAR!
my first zoom 1

für
10 Laptops
3 Video-Projektionen
3 Video-Monitore

Klavier
Flügelhorn
Tibetische Dun-Chen Trompete
Fahrrad
Gasmaske
Schweißermaske
Pilotenhelm
2 Nussknacker
3 elektrische Drehscheiben
3 Periskope
4 Regenschirme
8 Blockflöten
9 Adventskalendertürchen
9 Landesfahnen
11 Hexbugs nano
21 Blechdosen
42 Tischtennisbälle

Medien-Zuspielungen
Ganz Große Fuge, Siegburg 03/2020
Digital Freeze Cooperation, Frankfurt/M 05/2020
Fine New Instruments, Köln 09/2020
Re-Ensoundment, Düsseldorf 11/2020
Die Wohnung Einhundert, Klaipeda 12/2020
Krim Singers, Köln 12/2020

Audio-Zuspielung
Languisco e moro (Don Carlo Gesualdo da Venosa), 1595

17.12.2020 · 10.00h
Zoom Session · 07’ 33“ (15’00’‘)
Bildungswerkstatt · Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
TH Köln · Campus Südstadt · Ubierring 48 · 50678 Köln

Rochus Aust · Raumordnung/Musik/Medien/Flügelhorn
Verena Barié · Audio hosting/Blockflöten/specials
Jan Verbeek · Video hosting/specials
Yasemin Aslanhan · Zoom hosting

Video-Dokumentation · Konzept/Aufnahme/Kamera/Schnitt · Rochus Aust/Jan Verbeek/Yasemin Aslanhan

im Rahmen von ‚Artist in Residence im Feld digitaler Kunst‘ an der TH Köln/Curriculum 4.0 NRW

Rochus Aust

Rochus Aust ist seit dem WiSe20/21 der erste Artist in Residence der TH Köln. Er ist Installations- und Klangkünstler, Medienperfomer und Musiker. Seine Residenz stellt Aust unter den Titel „Digitale Irritationen“. Diese bringt er in und neben der Lehre, mittels Zugängen hinsichtlich aktueller Kommunikations- und Interaktionsorte, durch künstlerische Ansätze zur Geltung.

Foto von Rochus Aust by Jan Verbeek, Klangbasierte Künste 2020
Rochus Aust by Jan Verbeek, Klangbasierte Künste 2020

5 Fragen an Rochus Aust

Hast du ein besonderes Selbstbild von dir als Künstler?

Der moderne Hofnarr: Mir gefällt die Position ggf. auch Institution des aus „Aus-dem-System-Gefallenen“ oder des „Außerhalb-des-Systems-Agierenden“. Der, der nicht nur die Erlaubnis, sondern auch die Aufgabe hat, der Obrigkeit/Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und Kritik auszusprechen bzw. zu kreieren. Und der, der dafür als einziger nicht gehängt, sondern belohnt wird. Dass er dabei Kunst erschafft ist nur ein Kollateralschaden. „Im französischen Schachspiel hat der Narr („Fou“) gar die Rolle des Läufers im deutschen Schach.“ (Wikipedia, 22.02.2021, 10.42h).

Wie würdest du dein Weltbild beschreiben?

Alles unterliegt einer Kausalität (siehe auch die Geschichte vom völlig nackten Hausblockverwalter von Daniil Charms). Diese Kausalität ist aber fast überall völlig undurchschaubar und unverständlich. Deswegen haben die Einen Gott erfunden und die Anderen den Zufall. Fakt ist, dass alle immer noch auf der Erde herumtappen, als wäre sie eine Scheibe und darüber sprechen, dass sie ja nicht mehr eine Scheibe ist. Ich glaube, dass sich mein Weltbild ständig und fließend verändert, mit jeder Begegnung, mit jeder Kommunikation, mit jedem Gegenstand/ Zustand und deshalb tausche ich Gott bzw. den Zufall vorerst gegen die Behauptung ein und stehe damit immer am Anfang des jeweiligen Experimentes. Meine grundsätzliche Frage ist: Wie hoch muss ich heute springen, damit sich die Welt unter mir wie genug weit gedreht hat, wenn ich wieder wie auf den Boden komme.

Hast du einen persönlichen Bildungs-/und Weltenzugang? Wie machst du die Welt für dich erfahrbar?

Durch die Straßen laufen (im besten Falle nicht nur der eigenen Stadt) und dabei nicht nur auf den Boden/Handy schauen (aber auch).

Medien – welchen Fluch und welchen Segen haben diese virtuellen Welten?

Für die Beantwortung dieser Frage bin ich eigentlich zu voreingenommen, weil zukünftiger digital-grandpa. Ich bin allerdings sehr froh, dass ich durch die Gnade der frühen Geburt zuerst die echte Welt und da-nach die virtuelle Welt kennengelernt habe. Bei zukünftigen Generationen wird das bald umgekehrt sein und natürlich wird man vortrefflich im (digitalen?) Schaukelstuhl darüber streiten können, was denn nun „echt“ wirklich bedeutet.

Was macht es für dich attraktiv deine Arbeit grade im Hochschulkontext zu teilen?

Ehrlich gesagt: garnichts, bis ich an der TH angefangen habe. Ich habe Hochschulen/Universitäten in meiner poststudentischen Zeit immer nur kennengelernt als Orte, an denen eigentlich viel möglich wäre, auch viel gewollt ist, aber die reale Umsetzung schnell in einem Wust aus Tagesgeschäft, Zeit- und Raum-traffic untergeht und – das war bislang die ernüchterndste Erkenntnis – dass dies für alle Beteiligten innerhalb des Systems Hochschule auch völlig ok war. Die Verschiebung oder/ und Nichtrealisierung als erste und nicht als allerletzte Option. Man kann aber man muss nicht. Das hat mich schon immer irritiert. Außer-dem hatte Hochschule in meiner Wahrnehmung selten etwas mit Wirklichkeit zu tun. Wenn nun eine Hochschule (oder eine Firma oder ein think tank) eine Position als „Artist in Residence“ ausschreibt, wünscht sie sich (im besten Falle) jemanden, der von außen etwas hineinträgt, was es dort nicht gibt oder so nicht gibt. Das habe ich als „Wirklichkeit“ interpretiert und das finde ich sehr spannend. Wenn ich also meine Wirklichkeit ein- bzw. mitbringe, ist das einerseits erstmal ein schlichter know-how-Transfer, andererseits aber auch ein komplexer Strukturtest in dem Sinne, ob die unterschiedlichen „Wirklichkeiten“ überhaupt miteinander/nebeneinander existieren/ korrespondieren/kommunizieren können und was daraus dann entsteht. Und es ist auch ein Struktur-test auf beiden Seiten, was für mich wirklich „attraktiv“ ist. Das entstehende Produkt selbst steht nicht oder noch nicht im Vordergrund. Die Kunst wird als Orchidee eingepflanzt und endet als Seerose (oben Blüte unten Schlingpflanze).